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Risikomanagement

1. Versicherung für Legehennen

Ende 2008 konnten die Arbeiten zur Erstellung einer Versicherungspolizze für Risiken in der Österreichischen Legehennenhaltung (spez. Aufgrund des Vermarktungsverbotes per 01.01.2009) abgeschlossen werden. Ein Jahr nach Abschluss der Gruppenversicherungen und gleichzeitig ein Jahr mit Versicherungsschutz für Legehennen in Österreich, kann mit Ende 2009 seitens der ZAG ein positives Resümee gezogen werden:

Eckdaten:

Versicherungsbestand per 01.01.2010
Legehennen 3.458.204
Junghennen 1.906.905
Elterntiere 108.040
Brutplätze 1.500.000

 

Welche Schäden wurden im Rahmen der Legehennenpolizze gemeldet?

Tabelle 1
Schadensursache Schäden gemeldet Schäden - Pos. / Neg. / Mensch
S. Enteritidis 11 10 / 1 / 1
S. Typhimurium 9 5 / 4
Pasteurella multocida 2 2 / 0
ILT 1 1 / 0
Eileiterbauchfellentzündung 1 1 / 0


Gemeldet wurden 24 Schadensfälle bei Legehennen (siehe Tabelle 1.), davon waren 5 Schadensfälle negativ (durch die 2. Beprobung). Bei einem Schadensfall war eine Humanerkrankung der Auslöser und wurde durch eine mögliche Rückverfolgbarkeit zum Betrieb diagnostiziert. Die in der Tabelle angeführte Eileiterbauchfellentzündung wurde zwar gemeldet ist aber gem. Polizze nicht versichert.

Wie hoch sind die Schäden?

Die Schäden belaufen sich bei Betrieben mit voll versicherungswirksamer Salmonellenproblematik auf ca. 8 - 10 EUR/Legehenne.

Insgesamt waren rund 135.000 Legehennen im Rahmen von Schadensmeldungen betroffen. Nicht alle dieser betroffenen Legehennen wurden aber auf Grund einer Salmonellenproblematik an die Versicherung gemeldet (siehe Tab. 1).

Es handelte sich mit einer Ausnahme um kleinere Betriebe mit max. 8.000 bis 9.000 Legehennen. Im November und Dezember 2009 gab es bei den versicherten Betrieben eine erhöhte Häufigkeit von salmonellenpositiven Befunden zu verzeichnen.

Insgesamt zeigt sich im ersten Jahr eine prozentuell sehr hohe Schadensbelastung von annähernd 100%. Das bedeutet, dass die versicherten Betriebe in Summe annähernd 100% der einbezahlten Prämien über Entschädigungen der Versicherung wieder zurück bekommen haben. Das bedeutet auch, dass die Risikoeinschätzung der Versicherung sehr präzise war und die Preisverhandlungen der ZAG rückblickend bisher im Sinne der Legehennenhalter, aber auch des gesamten Projektes, als erfolgreich bezeichnet werden können.

Sanierung von Betrieben & Folgekosten?

Es besteht Einigkeit, dass der Sanierung von Betrieben mit Salmonellen im Stall höchste Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Es muss geklärt werden woher die Salmonellen kommen. Reinigung und Desinfektion muss hoch professionell erfolgen, sodass Salmonellen möglichst nicht in der nächsten Herde wieder auftreten.

Die Versicherung akzeptiert deshalb den Vorschlag die anrechenbaren Folgekosten von 12.000 auf max. 20.000 EUR je Schaden anzuheben. Ein oft sinnvolles Sanierungskonzept vom Betreuungstierarzt verursacht zusätzliche Kosten. Diese können unter dem Titel Folgekosten (total max. 20.000 EUR) geltend gemacht werden.

Die Entsorgung (TKV) toter Tiere ist je nach Bundesland teilweise kostenlos und teilweise kostenpflichtig wodurch im letzteren Fall das von der Versicherung vorgesehene Budget für die Folgekosten pro Betrieb reduziert wird. Eventuell anfallende Kosten für die Entsorgung verseuchten Mistes und Futters von erkrankten bzw. gekeulten Herden können ebenfalls hoch ausfallen und reduzieren dadurch das Budget für Folgekosten. Im Normalfall kann Mist und Futter relativ günstig und sicher über Kompostierungsanlagen entsorgt werden.

Resümee zur Legehennenversicherung für 2009:

Aus Sicht der ZAG können offenen Fragen auf kurzem Weg mit der Versicherung geklärt werden. Bei Grenzfällen zeigt sich die Versicherung kulant, es konnten sinnvolle Kompromisse gefunden werden. Die Datenlage im Sinn der Versicherung und der erforderlichen Dokumentation ist gut.



2. Versicherung für Junghennen

Durch die vorausschauende Strategie in der österreichischen Salmonellenbekämpfung, die bereits in der Elterntierhaltung hohe Standards vorgibt, aber auch durch ein großes Problembewusstsein bei den Junghennenhaltern und der QGV, wo besonderer Wert auf Hygiene im Stall und die richtigen Impfprogramme gelegt wird, haben wir in Österreich grundsätzlich eine gute Ausgangsposition und vergleichsweise geringe Risiken in der Junghennenproduktion.

Nur in wenigen Junghennenbetrieben pro Jahr werden Salmonellen nachgewiesen. Was aber passiert, wenn bei den regelmäßigen Kontrollen in ihrem Stall doch Salmonellen oder auch andere Tierkrankheiten entdeckt werden?

Müssen die Tiere gekeult werden, dann belaufen sich die Schäden allein für die Neuanschaffung der Tiere bzw. für den Ausgleich des Tierwertes zum Zeitpunkt der Keulung zwischen 1 und 5 EUR pro Tier, unberücksichtigt dabei sind die Kosten für event. notwendige Tiertötung, für Futterentsorgung, Desinfektionskosten und die Betriebsunterbrechung oder Verpflichtungen dem Käufer der jungen Legehennen gegenüber. Einen Großteil dieser Risiken kann ab Sommer 2009 abgesichert werden.

Die Versicherung

Nach mehreren Arbeitssitzungen mit dem Versicherer AXA Winthertur und dem Fronting Partner WBV, Herrn Karl Wallner, konnten im Juli die unter der Leitung der ZAG in enger Zusammenarbeit mit der QGV durchgeführten Verhandlungen erfolgreich zum Abschluss gebracht werden. Vorgabe seitens der Branchenvertreter war es eine finanziell leistbare Versicherung auszuarbeiten, die nicht alle, aber die wesentlichsten Risiken für Junghennenproduzenten abdeckt.

Eckpunkte

Wie auch bei der Legehennenversicherung, so wird auch die Junghennenversicherung über eine sogenannte Gruppenversicherung getragen, wodurch von der Versicherung gewisse Dokumentationsaufgaben auf die Gruppe übertragen werden.

Seitens der Junghennenvertreter wurde die QGV als Gruppenversicherer vorgeschlagen. Diese hat sich damit einverstanden erklärt und gibt dankenswerter Weise auch den durch die Arbeitsübernahme entstehenden Kostenvorteil in der Prämie an die Junghennenhalter weiter.

Die Versicherung kann vom Junghennenproduzenten abgeschlossen werden, wobei Junghennenproduzenten, die auch selber vermarkten die Gesamtprämie zahlen, aber auch die vollen Leistungen im Schadensfall erhalten.

Für den Fall, dass der Junghenneproduzent Teil einer Integration ist, dann muss sich die selbe Gesamtprämie aber auch die Versicherungsleistung im Schadensfall gemäß den Eigentumsverhältnissen der eingesetzten Betriebsmittel (Küken, Stall, Futter) fair auf den Junghennenhalter und den Junghennenvermarkter aufteilen. Dazu wurde von der QGV eine Abtretungserklärung ausgearbeitet, die als Muster dienen soll.

Versicherte Gefahren?

Versichert ist die einzelne, in der QGV Datenbank versicherte Junghenne, nicht der Junghennenplatz pro Jahr. Junghennen müssen gemäß Geflügelhygiene VO vor der Neueinstallung als Legehenne jedenfalls frei sein von:

- Salmonella typhimurium
- Salmonella enteritidis
- Salmonella gallinarum pullorum
- Salmonella infantis
- Salmonella virchow und
- Salmonella hadar

Die genannten Salmonellenstämme sind von der Versicherung gedeckt. Zusätzlich andere klinisch manifestierte Krankheiten durch Viren, aber auch Rotlauf, Geflügelcholera, Salmonella gallinarum pullorum und  Tierseuchen wie Geflügelinfluenza, NCD und ILT. Letztere Tierseuchen werden nur subsidiär entschädigt, das heißt nur über das gemäß  nationalerTierseuchengesetzgebung hinaus bestehende Maß.

Versicherungsleistungen im Schadensfall?

Der Wert der verendeten oder gekeulten Tiere wird laut aktueller Wertetabelle zum Zeitwert der Tiere entschädigt. Zusätzlich die eigenen und fremden Folgekosten zur hygienischen Betriebssanierung bis zu 12.000 Euro und die Futterkosten sowie die Entsorgung, sofern die Vernichtung amtlich verfügt wurde.

Kosten?

Die Kosten unterscheiden sich je nachdem, ob es sich um Einalters- oder Mehralterbetriebe handelt. Über Junghennenkooperationen sind Ende 2009 bereits ca. 780.000 Aufzuchtsplätze oder 1,7 Mil. Junghennen in der QGV Gruppenversicherung versichert.

Die Konditionen sind für alle Versicherungsnehmer die gleichen und unterscheiden sich nicht nach der Betriebsgröße. Ein Rückvergütungsmodell erlaubt eine Teilrückzahlung der eingezahlten Prämien sofern im Zeitraum von drei Jahren innerhalb der Versicherungsgruppe wenige Schadensfälle aufgetreten sind.

Die ZAG empfiehlt Junghennenhaltern nach eingehender Prüfung ihrer betriebswirtschaftlichen Ausgangssituation und  spezifischen Risikosituation jedenfalls den Abschluss dieser neuen Versicherung.

Versicherung  für Mastgeflügel

Die Umsetzung der EU VO 2160, speziell dürfen ab 2011 in 25g Nackenhautprobe am Schlachtbetrieb keine Salmonellen gefunden werden, wird sich höchstwahrscheinlich verzögern. Einzelne Bestimmungen der VO, u.a. die Form der Probenziehung, sind noch nicht klar. Sobald Details in Erfahrung zu bringen sind, werden seitens der ZAG weiterführende Gespräche geführt.

Geflügelversicherung und Prämienbezuschussung

Im Sinn der gesellschaftlichen Mitverantwortung aufgrund gestiegener gesetzlicher Anforderungen sieht die ZAG eine Beteiligung der öffentlichen Hand bei der Finanzierung der Prämien der Geflügelversicherungen nach dem Modell der österr. Hagelversicherung  (Bsp. Rind: 25% Bund / 25% Land) nach wie vor als gerechtfertigt an und hat eine solche Beteiligung auch bei Gesprächen mit Entscheidungsträgern auf Bundes- und Landesebene immer wieder eingefordert.

Auf Grund der Budgetnot im Zusammenhang mit der "Wirtschaftskrise" konnten allerdings für 2009 und 2010 keine Prämienbezuschussungen erreicht werden.