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Rahmenbedingungen in der Geflügelmast

Hintergrund:

Die siebenundzwanzig Länder der EU einigten sich 2007 erstmals auf eine gemeinsame Regelung der Obergrenzen von Besatzdichten bei Masthühnern. Die ZAG setzte sich im Jahr 2009 gemeinsam mit der LK-Ö dafür ein, dass die neuen EU Bestimmungen in Österreich entsprechend angepasst werden.

Die österreichische Geflügelwirtschaft sieht sich zunehmend dem Wettbewerb am europ. bzw. Weltmarkt ausgesetzt. Waren mit ausländischen Herkünften drängen auf den österr. Markt. Das strenge Bundestierschutzgesetz limitiert die Entwicklungsmöglichkeiten in der Geflügelmast massiv.

Österreichische Rahmenbedingungen

In Österreich werden jährlich ca. 60 Millionen Masthühner und ca. 2 Millionen Truthühner gemästet. Der Produktionswert der Geflügelproduktion beträgt pro Jahr rund 137 Mio. Euro. Der Selbstversorgungsgrad bei Hühnerfleisch lag 2009 bei rund 85 %, bei Truthühnern hingegen nur bei rund 49 %.

Die Situation in der Gemeinschaft

Die Richtlinie 2007/43/EG vom 28. Juni 2007 setzt Mindestvorschriften zum Schutz von Masthühnern fest. Als Ziel dieser Richtlinie steht die Verbesserung der Haltungsbedingungen von Hühnern in intensiven Haltungssystemen an erster Stelle.

Ziel: Tiergesundheitsprogramm für Österr. Mastgeflügel

Ziel des Programms ist es, aufbauend auf den Erfahrungen in Schweden und Dänemark die Haltungsbedingungen von Masthühnern, aber darüber hinausgehend auch von Mastputen, zu verbessern.

Eine optimale Haltungsumwelt soll in Verbindung mit einem funktionierenden Schlachthof Rückmeldesystem einen wesentlichen Beitrag für gesundheitlich stabile Tierbestände, einen hohen Tierschutzstandard sowie eine konstant hohe Produktqualität leisten.

ZAG Forderung

Dieses beschriebene Tiergesundheitsprogramm, dass messbare Kriterien für die Tiergesundheit bei Masthühnern und Puten vorgibt und diese Kriterien überprüft (z.b. Fassballengesundheit bei Masthühnern oder Sterblichkeit) soll parallel mit einer gesetzlichen Änderung der Besatzdichte in Summe die Tiergesundheit verbessern und zugleich einen faireren Wettbewerb ermöglichen.

Das Konzept ist schlüssig aber auch argumentierbar und orientiert sich an zukünftigen EU Vorgaben. Für die Truthahnmast gibt es seitens der EU keine Beschränkungen für Besatzdichten. Aus der Sicht der Praxis muss es hier allerdings ebenfalls dringend eine Lösung geben. In keiner anderen Tierhaltungsform in Österreich gibt es mit 49% einen derartig niedrigen Grad der Selbstversorgung.

Nur mit produktionsfreundlicheren Rahmenbedingungen, die ebenso die Bedürfnisse der Tiere berücksichtigen, wird die Truthahnmast in Österreich weiter bestehen bleiben. Geflügelfleisch verzeichnet im Vergleich zu anderen Fleischsorten die größten Zuwachsraten. Der durchschnittliche Pro Kopfverbrauch hat in der Zwischenzeit trotz zwischenzeitlicher Verunsicherung durch die Geflügelpest 20 kg erreicht. Österreichische Geflügelschlachthöfe suchen deshalb dringend Mastbetriebe.



Status Dezember 2008:

Eine Arbeitsgruppe des Tierschutzrates u.a. mit Vertretern der ZAG beschäftigte sich im 2. Halbjahr 2008 mit einer möglichen Umsetzung des vorgeschlagenen TGD Programmes. Trotz intensivster Überzeugungsarbeit auch im Rahmen von Betriebsbesuchen, konnte in der letzten Sitzung des Tierschutzrates im Jahr 2008 nach erfolgter Abstimmung keine Mehrheit für die Umsetzung gefunden werden. Ein Verordnungsentwurf geht Ende Dezember in Begutachtung. Die ZAG bemühte sich gemeinsam mit der LK-Ö im Vorfeld mit fachlichen Argumenten um möglichst viele positive Stellungnahmen.

Zu Beginn des Jahres 2009 vertagt die Politik dieses wichtige Thema. Aus Sicht der ZAG eine sehr unzufriedenstellende Situation. Die Politik wird dringend aufgefordert den ausgearbeiteten Kompromissvorschlag zu unterstützen, andernfalls verlieren wir in Österreich weiter laufend an Produktion, Selbstversorgung und Wertschöpfung.

Ohne dem genannten TGD Programm werden auch maßgebliche Verbesserungen im Tierschutz ausbleiben. ZAG Obmann und Obmann Stv. wiesen 2008 bei allen offiziellen Besprechungen mit Entscheidungsträgern auf diese Gefahr hin. Aus Sicht der ZAG muss ehe baldigst eine praxistaugliche Lösung gefunden werden. Eine entsprechende ZAG Presseaussendung erfolgt im Jänner 2009.



Status Dezember 2009:

Bisher keine Bereitschaft der Politik entsprechende Entscheidungen zu treffen. Mehrere Gespräche bleiben ohne Ergebnis. Zeitdruck entsteht weil EU-Masthühner Richtlinie bis Juni 2010 umgesetzt werden muss. Ein Interventionsversuch durch ÖVP Tierschutzsprecher Essl erfolgt, ebenso durch das BMG in Kooperation mit Handel und Schlachtbetrieben.